Wohlgefühl im baubiologischen Gesamtkunstwerk

von Dieter Mai am 10.03.2011
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Im Amtshof Langenargen steigern Naturmaterialien den Erholungswert

Beim Thema Lehmbau verhält es sich meist so: Man begegnet entweder Menschen, die noch nie davon gehört haben oder solchen, die von den Möglichkeiten völlig begeistert sind und die Vorzüge des Baustoffs Lehm in höchsten Tönen preisen. Letzeren zuzurechnen ist auch der Architekt Albrecht Weber aus Langenargen am Bodensee. Das unter seiner Federführung neu gestaltete „Hotel Amtshof Langenargen“ ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Den Umbau des Baudenkmals aus dem Jahr 1590 führte Weber, in enger Abstimmung mit dem Besitzer Stefan Wocher, nach allen Regeln der baubiologischen Kunst aus.

Urlaub im Baudenkmal: Amtshof Langenargen

Urlaub im Baudenkmal: Amtshof Langenargen

Dabei spielte der Lehmbau eine zentrale Rolle. Den Architekten faszinieren nach eigenen Worten „die Fähigkeiten des Materials“, das auch für ihn als langjährigen Lehmbau-Verfechter „immer noch Überraschungen birgt und damit in einem fortdauernden Lernprozess immer wieder fast zwangsläufig zu Innovationen führt“. Dies können ungewöhnliche Kombinationen von Lehmbau-Materialen mit konventionellen Baustoffen sein oder beispielsweise der Einbau von Wandheizungen in massive Lehmbauwände, die kostengünstig mit Erdwärme betrieben werden.

Historische Aufnahme Anfang des 20. Jahrhunderts

Historische Aufnahme Anfang des 20. Jahrhunderts

Dekorbeispiel Wandgestaltung

Dekorbeispiel Wandgestaltung

Neben solchen eher funktionalen Aspekten hat Weber gemeinsam mit dem Hotelier und Bauherrn Stefan Wocher die Appartements und Maisonettes des Biohotels zu kleinen Gesamtkunstwerken gestaltet, die aus Landschaft, Poesie und natürlichen Baumaterialien eine regelrechte Philosophie der Erholung und Entspannung schaffen. Da spiegeln sich die stimmungsvoll-literarischen Bezeichnungen der unterschiedlichen Räume in Wandmalereien wider, die ihrerseits Natur-Motive aus der Region abbilden, grafisch umgesetzt in Lehmfarben auf Lehmputz.

Längst ist Bauherr und Hotelier Stefan Wocher von der Lehmbau-Begeisterung ‚seines‘ Architekten angesteckt: „Mit Lehm als Baumaterial kam ich über Herrn Weber erstmals in Kontakt. Seine Schilderung der besonderen Eigenschaften des Lehms überzeugte mich davon, dem Lehmbau bei der Sanierung des Amtshofes großen Platz einzuräumen. Ich wollte wissen, ob alles, was mir an positiven Eigenschaften  berichtet wurde, sich im Hotel-Alltag bewahrheitet. Ob beispielsweise Badezimmerspiegel wirklich nicht mehr beschlagen, ob das Raumklima sich tatsächlich spürbar verbessert. Jetzt kann ich sagen: Es hat sich alles bestätigt. Die Gäste kommen von sich aus zu mir und schildern ihr ganz besonderes Wohlgefühl, das sie in unseren Räumen empfinden.“

Naturmaterialien im Mix: Lehmputz, Fachwerk, Holzbadewanne und Linoleumboden

Naturmaterialien im Mix: Lehmputz, Fachwerk, Holzbadewanne und Linoleumboden

Auch  die Geruch absorbierenden Eigenschaften seien durchaus relevant an einem Ort, an dem viele Menschen im stetigen Wechsel  leben. Diese spezielle Fähigkeit des Lehms werde sogar in den Fahrstühlen genutzt, die eigens mit Lehminnenputz ausgestattet wurden. Außerdem verzichte man bei den Kleiderschränken auf Rückwände, um die ‚atmende‘ und luftreinigende Wirkung der Lehmwände in vollem Umfang zu nutzen. Mit derlei unkonventionellen und innovativen Lehmbau-Maßnahmen korrespondieren im Biohotel Amtshof Langenargen weitere Details der Inneneinrichtung wie Holzbadewannen, Holzduschen oder Zirbenholzbetten. Letztere haben sich einige zufriedene Hotelgäste sogar nachbauen lassen. Eine Reaktion, die nachvollziehbar wird angesichts von wissenschaftlichen Untersuchungen, die dem Schlafen im Zirbenholzbett eine signifikante Absenkung der Herzrate sowie eine Beschleunigung des vegetativen Erholungsprozesses bescheinigen.

Entspannung am See

Entspannen am Bodensee

Durch  das Zusammenwirken all dieser natürlichen Materialien in seinen Räumen bietet der Amtshof Langenargen seinen Gästen einen ganz besonderen Erholungswert. Hinzu kommt die einmalige Lage des Hotels direkt am Bodensee. Langenargen liegt auf einer Landzunge zwischen den Mündungen der Bodenseezuflüsse Argen und Schussen. Der See ist an dieser Stelle besonders breit und der Ort ist eingebettet in Naturschutzgebiete. Hier finden stressgeplagte Urlauber genau das, was sie suchen: Entspannung pur.

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Kategorie: Allgemein, Baubiologie, Denkmalschutz, Historisches, Lebensart, Urlaub

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  • Was das Raumklima angeht haben wir in den letzten Jahren echte Rückschritte gemacht. So ein Klima wie in einem Lehmbau gibt es heute nicht mehr. Aber das bringt der Fortschritt leider oft mit sich. Darum sind solche Bauvorhaben immer besonders wertvoll.

  • Freunde von mir waren vor einiger Zeit einmal in besagtem Hotel und berichteten nur gutes davon. Gerade bei dem sich wandelnden Klima kann eine solche Konstruktion Gold wert sein.

    Hoffentlich wird diese Lehmkonstruktion noch bekannter und gewinnt ein wenig an Normalität.

  • Freunde von mir haben gerade ihr Lehmhaus gebaut. Ich war am Anfang total skeptisch, weil ich die prognostizierten Ergebnisse nicht glauben konnte. Aber sie haben mich überzeugt. Es ist ein unglaublich angenehmes Raumklima und die beiden sagen, dass sie wirklich erheblich sparen mit der Bauweise. Jetzt wo ich es am eigenen Leib gespürt habe, bin ich wirklich überzeugt und werde mir mal ernsthaft Gedanken über ein Wochenden in so einem Lehm-Hotel machen :-) .

  • Ein schöner und gut recherchierter Bericht mit tollen Fotos. Da möchte ich am liebsten gleich los fahren.

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